Früher war ich mal Rockstar. Inzwischen ist das schon erschreckend lange her, und bevor es keine Casetten mehr gibt, habe ich die alten Tapes mal in den iMac gespielt.
So um die 14-15 Jahre alt war ich, als ich anfing Gitarre zu klimpern. Und da die ganzen tollen Gitarren-Helden alles Autodidakten waren, musste unsereins es auch so lernen. Recht bald klimperten Andy, Theisi und ich auch mal zusammen. Der Gedanke lag da natürlich nahe, 'ne Band zu gründen. Auf dem platten Land geht ja auch sonst nicht viel (außer Fussball - zu dem ich inzwischen auch ein gesundes Verhältnis hab. Ceterum censeo Bayern soll endlich absteigen!). Da sich's bei Theisis Omma nicht wirklich toll proben ließ, suchten wir eine Alternative. Diese fanden wir in Eddis altem Schweinestall.
soldiers-schweine
Ein perfektes Drecksloch! Dank eines Teppichstückes war es möglich, sich sogar auf dem ansonsten unbefestigten aus Staub und altem Schweinemist bestehenden Boden zu wälzen (so beim Gitarre spielen, singen, einfach so etc.). Seit der ersten Probe auch schon mit Pie, unserem Trommler.
Das wichtigste an einer Band ist der Name. Ohne Namen kann man einfach keine Musik machen ;-) Ein Gedicht von Jim Morrison verhalf uns dann zu dem (wie ich finde wirklich tollen) Namen "The Soldiers of Rock'n'Roll Wars". Nach unserem ersten "Konzert" im sommerlichen Dorfpark "Dumpert" vor ca. 5 Zuschauern stieß einer von denen, Knochi, zur Band als Sänger.
dumpert
Und aus dieser Zeit müssen die Aufnahmen sein, die ich hier habe. Sommer 1992 muss das gewesen sein. Die DDR war frisch annektiert...lassen wir das... Unser erstes "richtiges" Konzert war im Januar '93 in der Miez in Trier.
miez
Keine Ahnung warum, aber der Laden hat getobt, doch das Video ist verschollen. Als Proberaum okkupierten wir inzwischen das Pfarrsäälchen, Groupies lungerten bei uns rum und brachten Alk und Shit mit und es ging voran, musikalisch, partytechnisch. Wir bekamen mein Brüderlein Ketsch als Bassisten, später den Steele, spielten bis zu 3 Konzerte ;-) und bald war klar, es ist bald Schluss. Musikalische Differenzen. Anfang '94 oder Ende '93 hatten wir unser großen Abschiedskonzert, volles Haus in Hermeskeil, ca. 700 Leute und natürlich waren die nur wegen uns da ;-) Backstage gab es zu futtern und noch mehr zu saufen. Grandios, aber schädlich für die Musik (Knochi und Pie konnten sich kaum noch auf den Beinen halten). Hat keinen gestört.
Aus den Trümmern der Soldiers formierte sich kurz darauf die musikalisch intellektuelle Elite des Hochwaldes zu "Pussy Willow", nach einem Song von Jethro Tull. Theisi war in Trier, Pie und Knochi machten sonstwas, Andy und ich versammelten meine neuen Klassenkameraden (ich war klebengeblieben :-o) Dave und Fossi sowie den Ketsch (der aber nach einiger Zeit ging - dafür kam der kleine stille Jan - der aber gut Bass spielen konnte))in Andys Keller um die Band zu formieren.
freak_out
Da immer noch keiner singen konnte fand sich bald der Winni, der auch auf unserer Schule und aus Kell (wichtig, wenn man kein Auto hat) war. Der konnte zwar auch nicht singen, aber das sahen wir dann mal nicht so eng. Auch die Groupies änderten sich und wurde(n) bald darauf Sängerin (Chrissi), der Alk wurde reduziert, wir versuchten Musik zu machen, bessere Musik. Hat jetzt nicht geklappt, aber wir haben es versucht. Es gab einige Konzerte. Gut in Erinnerung ist mir eins im Keller des Hauses unseres Verbandsgemeindebürgermeisters, dessen Töchterlein Geburtstag feierte und uns spontan zu einem Konzert gewann. Inspiriert von The Who wollte ich meine Gitarre zu Kleinholz machen. Das Instrument zeigt heute noch die Spuren der Tortour (hat's aber überlebt). Und das kurz nachdem Andy meine alte (gute) Gitarre kaputt gestolpert hatte und ich vom Zeitwert derer eine neue (nicht so gute) kaufen musste.
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Unser größter kommerzieller Erfolg war ein Konzert auf der Marienburg bei Zell, wo wir die Verabschiedung von irgendwem vom Bistum Trier beschallen durften. Irgendwer von denen hat uns wohl mal gehört und meinte, uns buchen zu müssen. Nun gut, wir waren ja käuflich. Nachdem der Wagen es mit dem Hänger mit dem Bandequipment nicht bis zur Burg geschafft hatte (54 Jetta-PS sind da halt zu wenig - oder war es der immerhin 60 PS starke Wartburg, der es nicht schaffte?), mussten wir den Kram also mit fremder Hilfe und einzeln rauf schaffen. Sowas macht hungrig. Erst wurden Reden geschwungen, danach gab es Büffet und dann Musik. Ich war der erste am Büffet und hab' den Leuten erstmal die besten Sachen weggefressen. So ca. fünf mal lud ich meinen Teller randvoll, dazu ein gutes Pils. Danach machten wir Musik. Das ganze artete in eine Art Jam-Session aus und gegen 3 oder 4 Uhr war dann Feierabend. Die Leute haben uns sogar ein zweites mal gebucht, da haben wir dann aber mit zuviel Alk (diese komischen Leute da machen sowas auch echt nötig) nicht die technische Perfektion geliefert wie gewohnt :-D
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Ende 1996 war dann auch damit Schluss, musikalisch hätte es wirklich interessant werden können mit klareren, machmal sogar jazzigen Liedern oder dem folkig gecoverten ...wie auch immer... von Garth Brooks. Einen letzten Song nahmen Dave, Andy ,Chrissi und ich im Spätherbst im Tonstudio von Daves Vater auf (mit programmierten Drums, ich spiele 'ne unverzerrte Jazzgitarre ins Pult, dazu Powerchords von Andy), der aber verschollen und in übersteuerter, mieser Quali war.
Seit dem spiele ich nur noch sporadisch Gitarre... :-/